18. Juni

Luthers Pfingstlieder

Sonntag 18. Juni | 17:00 Uhr | Stadtkirche St. Peter Eisenberg

Drei Pfingstlieder und ein Trinitatislied.

Nun bitten wir den Heiligen Geist

Komm, Heiliger Geist, Herre Gott

Komm Gott, Schöpfer Heiliger Geist

Gott der Vater wohn uns bei

 

 

Werke von Franz Schubert (Messe G-Dur und Pfingst-Hymnus), Felix Mendelssohn-Bartholdy (Kantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“)
sowie Luthers Pfingstlieder in Bearbeitungen von Johann Sebastian Bach (Motette „Der Geist hilft unser Schwachheit auf“ und Choräle)

Kantoreien Eisenberg und Neustadt/Orla
Sopran: Sara Mengs
Tenor: Peter Potzelt
Bariton: Tobias Mengs
Camerata Annunciata
Reussisches Kammerorchester
Orgel: Dr. Christopher Hausmann

Leitung: Johanna Schulze und Philipp Popp

Eintritt: 15€/12€ (VVK 11€/8€)

Nähere Informationen gibt es hier auf der Kirchenmusik-Seite Eisenbergs.

 

Kontakt: Kantor Philipp Popp (036691-238668)

 

Eines von Luthers Pfingstliedern (Komm, Heiliger Geist, Herre Gott) ist ja in die Motette „Der Geist hilft unser Schwachheit auf“ von J. S. Bach eingeflossen. Den kunstvollen Bachvertonungen auch von zwei weiteren Lutherliedern wurden bekannte Chorklassiker des 19. Jahrhunderts gegenüber gestellt: Die Eisenberger Kantorei musizierte gemeinsam mit der befreundeten Kantorei aus Neustadt/Orla Mendelssohns Choralkantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“, einen „Pfingsthymnus“ von Franz Schubert, sowie seine „Messe G-Dur“. „Auf Anregung von meiner Kollegin Johanna Schulze aus Neustadt haben wir in diese lateinischen Sätze der Messe an drei Stellen Teile aus Schuberts Deutscher Messe eingefügt“, so Kantor Philipp Popp, „denn Luthers Anliegen war ja, den Gottesdienst in deutscher Sprache feiern zu können“. Die fast 100 Zuhörer durften in diesem Jahr bei der Zugabe sogar mitsingen: Nach dem Schlussapplaus wurde nochmal die letzte Strophe der Mendelssohn-Kantate „Sing bet, und geh auf Gottes Wegen“ musiziert.
Besonders beeindruckte die „Camerata Annunciata“, nämlich die hauptamtlichen Mitarbeiter im Verkündigungsdienst (von lat. annunciare = verkündigen) der Region Eisenberg: Drei PfarrerInnen, Gemeindepädagogin und Kantor, die gemeinsam mit den Solisten, Christopher Hausmann und Johanna Schulze die Bachmotette zu Gehör brachten.

 

Martin Luthers Pfingst- und Trinitatislieder

Minolta DSC

Im 6. Konzert der „Gesungenen Reformation“ sind Luthers Pfingstlieder und sein Trinitatislied an der Reihe, die allesamt keine Neuschöpfungen, wie „Vom Himmel hoch“ oder „Ein feste Burg“ sind, sondern auf mittel-alterliche Hymnen zurückgehen. Luther setzt beim neu zu belebenden Ge-meindegesang also auf Bekanntes und betont damit auch die Kontinuität der Glaubensgeschichte durch alle Zeiten.

Nun bitten wir den Heiligen Geist – Gesangbuch Nr. 124

Das Lied spielt für die neugeschaffene Gottesdienst-Ordnung, Luthers For-mular der „Deutschen Messe“, eine wichtige Rolle. Ähnlich wie bei uns nach dem Glaubensbekenntnis häufig die Strophe „Lob, Ehr und Preis sei Gott“ gesungen wird, empfiehlt Luther „Nun bitten wir den Heiligen Geist“ als feststehendes Lied zwischen erster Lesung und Evangelium. Das reformato-rische „sola fide“ scheint gleich in der zweiten Zeile, bei der Bitte „um den rechten Glauben“ durch.

Gott der Vater steh uns bei – Gesangbuch Nr. 138

Ein schönes Beispiel, wie Luther aus einem alten Prozessionsgesang mit eher gleichförmig schreitender Melodie durch kleine Umarbeitungen zen-trale Reformationsthemen auch musikalisch hervorhebt: Eigentlich im Um-fang einer Oktave pendelnd, erhöht Luther die Melodie in der Mitte um ei-nen Ton, sodass an der Textstelle „halt uns bei festem Glauben“ und „mit allen rechten Christen“ deutlich hörbar ein neuer Spitzenton erreicht wird.

Komm Gott, Schöpfer, Heiliger Geist – Gesangbuch Nr. 126

In der ersten Strophe des über 1200 Jahre alten Hymnus wird, wie im Credo der Messe, deutlich die Gott-heit des Heiligen Geistes betont. Der Geist ist nicht nur Gottes Kraft oder Bote, er ist selbst Gott. Auch die Ver-bindung von Geist und Schöpfung in den ersten Worten der Bibel klingen hier an: „Am Anfang schuf Gott […] und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“ (1. Mose 1,1-2).

Komm Heiliger Geist, Herre Gott – Gesangbuch Nr. 125

Die dritte Strophe dieses Liedes verwendet J.S. Bach um seine Motette „Der Geist hilft“ zu beschließen. Er schrieb sie 1729 zu den Begräbnisfeierlich-keiten des Thomasschulrektors Prof. J.H. Ernesti. Gleich zu Beginn der Strophe wird die Eigenschaft des Heiligen Geistes als Tröster hervorgeho-ben. Am Ende wird mit „dass wir hier ritterlich ringen“ auf die sogenannte „geistliche Waffenrüstung“ (Eph. 6,10) angespielt, was vor dem Schluss-Halleluja in „durch Tod und Leben zu Dir dringen“ mit dem seltenen Reim-paar ringen/dringen gipfelt. Das ganze Leben der Christen ist also „Leben im Geist“ (Röm 8) und dieser Geist Gottes trägt und tröstet sogar über die Schwelle des Todes.